Wie erinnern wir an den Nationalsozialismus, seine Verbrechen und ihre Folgen? Was wird sichtbar, was verdrängt – und welche Fragen stellen sich bis heute?

Die vierteilige Filmreihe bringt unterschiedliche Perspekti­ven auf nationalsozialistische Herrschaft, Verfolgung und Erinnerung zusammen. Die Wannseekonferenz beleuchtet die bürokratische Organisation des Massenmordes, The Zone of Interest den fiktiven Alltag im unmittelbaren Um­feld von Auschwitz. Der Staat gegen Fritz Bauer erzählt von den schwierigen Anfängen der juristischen Aufarbeitung in der Bundesrepublik, während Gerdas Schweigen nach den Spuren von Verfolgung und Überleben in der Erinnerung fragt.

Vier Filme, vier Zugänge zu einer Geschichte, deren Nach­wirkungen bis in die Gegenwart reichen. Die Filmreihe lädt dazu ein, genauer hinzusehen, Fragen zu stellen und da-rüber ins Gespräch zu kommen, wie Film unsere Bilder von Geschichte prägt – und was Erinnerung heute bedeutet.

Alle Vorstellungen werden von der Journalistin Antje Bern­hardt (bernhardt-bildung) eingeführt und moderiert. Im Anschluss an jede Vorführung findet ein Filmgespräch mit verschiedenen Expert*innen statt.


Die Wannseekonferenz

Deutschland 2022, 108 Min.; Regie: Matti Geschonneck
Mit: Philipp Hochmair, Johannes Allmayer, Maximilian Brückner u. a.

Am 20. Januar 1942 kommen in einer Villa am Großen Wannsee hochrangige Vertreter des NS-Regimes aus SS, NSDAP und Ministerialbürokratie zusammen. Eingeladen hat Reinhard Heydrich zu einer Besprechung, um die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ zu koordinieren – die systematische Ermordung der europäischen Jüdin­nen und Juden. Matti Geschonnecks Film zeichnet die Konferenz anhand des von Adolf Eichmann überlieferten Protokolls nahezu in Echtzeit nach und macht die büro­kratische Sprache und Organisation des Massenmordes zum Gegenstand eines beklemmenden Kammerspiels.

Gast: Prof. Dr. Peter Klein (Touro University Berlin)
Einführung und Moderation: Antje Bernhardt (bernhardt-bildung)

Tickets: 11,80 € über


The Zone of Interest

USA/Großbritannien/Polen 2023, 105 Min.; Regie: Jonathan Glazer
Mit: Christian Friedel, Sandra Hüller, Johann Karthaus u. a.

Rudolf Höß, Kommandant von Auschwitz, lebt mit seiner Frau Hedwig und den Kindern in einem Haus mit Garten unmittelbar neben dem Vernichtungslager. Während die Familie einen scheinbar idyllischen und privilegierten Alltag pflegt, bleiben die Verbrechen hinter der Mauer unsichtbar. Doch die Schrecken sind allgegenwärtig – in Geräuschen, beiläufigen Gesprächen und den Spuren des Geschehens, die bis in den Familienalltag reichen. Jonathan Glazers Film zeigt auf beklemmende Weise, dass sich das Leben der Täter nur scheinbar von den Ver­brechen nebenan trennen lässt.

Gast: Dr. Andrea Genest (Leiterin der Mahn- und Ge­denkstätte Ravensbrück)
Einführung und Moderation: Antje Bernhardt (bernhardt-bildung)

Tickets: 11,80 € über


Der Staat gegen Fritz Bauer

Deutschland 2015, 105 Min.; Regie: Lars Kraume
Mit: Burghart Klaußner, Ronald Zehrfeld, Lilith Stangen­berg u. a.

Deutschland 1957: Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer erhält Hinweise auf den Aufenthaltsort des ehemaligen SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmann in Buenos Aires. Bauer, selbst Jude und nach dem Krieg aus dem dänischen Exil zurückgekehrt, setzt alles daran, die Täter des NS-Re­gimes vor Gericht zu bringen. Gemeinsam mit dem jungen Staatsanwalt Karl Angermann geht er den Hinweisen nach, stößt jedoch auf Widerstände innerhalb der bundesdeut­schen Justiz und Verwaltung. Lars Kraumes Film erzählt von Bauers Kampf um die strafrechtliche Verfolgung der NS-Ver­brechen und vom schwierigen Umgang der jungen Bundes­republik mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit.

Gäste: Dr. Claudia Fröhlich (Leiterin des Lern- und Erinne­rungsortes Martin-Niemöller-Haus Berlin-Dahlem) und Adam Kerpel-Fronius (Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)
Einführung und Moderation: Antje Bernhardt (bernhardt-bildung)

Tickets: 11,80 € über


Gerdas Schweigen

Deutschland 2007/2008, 92 Min.; Regie: Britta Wauer
Mit: Gerda Schrage, Knut Elstermann, Steven Schrage u. a.

1967 bekommt die in Ost-Berlin lebende Familie Elster-mann Besuch aus New York: Gerda, eine jüdische Überlebende des Nationalsozialismus und ehemalige Nachbarin der Familie, kehrt zurück. Der siebenjährige Knut Elstermann fragt sie nach ihrem Kind – doch Gerda schweigt. Jahrzehnte später begibt er sich auf die Suche nach Antworten und beginnt, die Geschichte hinter die­sem Schweigen zu ergründen. Britta Wauers Dokumentar­film zeichnet Gerdas Lebensweg nach und erzählt von Erinnerung, vom Weiterleben nach der Verfolgung und von einer Frage, die über Jahrzehnte unbeantwortet blieb.

Gäste: Britta Wauer (Regisseurin) und Michael Souvignier (Produzent)
Einführung und Moderation: Antje Bernhardt (bernhardt-bildung)

Tickets: 11,80 € über


Programmflyer