
Wie erinnern wir an den Nationalsozialismus, seine Verbrechen und ihre Folgen? Was wird sichtbar, was verdrängt – und welche Fragen stellen sich bis heute?
Die vierteilige Filmreihe bringt unterschiedliche Perspektiven auf nationalsozialistische Herrschaft, Verfolgung und Erinnerung zusammen. Die Wannseekonferenz beleuchtet die bürokratische Organisation des Massenmordes, The Zone of Interest den fiktiven Alltag im unmittelbaren Umfeld von Auschwitz. Der Staat gegen Fritz Bauer erzählt von den schwierigen Anfängen der juristischen Aufarbeitung in der Bundesrepublik, während Gerdas Schweigen nach den Spuren von Verfolgung und Überleben in der Erinnerung fragt.
Vier Filme, vier Zugänge zu einer Geschichte, deren Nachwirkungen bis in die Gegenwart reichen. Die Filmreihe lädt dazu ein, genauer hinzusehen, Fragen zu stellen und da-rüber ins Gespräch zu kommen, wie Film unsere Bilder von Geschichte prägt – und was Erinnerung heute bedeutet.
Alle Vorstellungen werden von der Journalistin Antje Bernhardt (bernhardt-bildung) eingeführt und moderiert. Im Anschluss an jede Vorführung findet ein Filmgespräch mit verschiedenen Expert*innen statt.
Mi, 18. November 2026, 19.00 Uhr
Filmvorführung & Gespräch
Die Wannseekonferenz
Deutschland 2022, 108 Min.; Regie: Matti Geschonneck
Mit: Philipp Hochmair, Johannes Allmayer, Maximilian Brückner u. a.
Am 20. Januar 1942 kommen in einer Villa am Großen Wannsee hochrangige Vertreter des NS-Regimes aus SS, NSDAP und Ministerialbürokratie zusammen. Eingeladen hat Reinhard Heydrich zu einer Besprechung, um die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ zu koordinieren – die systematische Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden. Matti Geschonnecks Film zeichnet die Konferenz anhand des von Adolf Eichmann überlieferten Protokolls nahezu in Echtzeit nach und macht die bürokratische Sprache und Organisation des Massenmordes zum Gegenstand eines beklemmenden Kammerspiels.
Gast: Prof. Dr. Peter Klein (Touro University Berlin)
Einführung und Moderation: Antje Bernhardt (bernhardt-bildung)
Tickets: 11,80 € über www.hoefekino.de/programm-tickets/
Mi, 2. Dezember 2026, 19.00 Uhr
Filmvorführung & Gespräch
The Zone of Interest
USA/Großbritannien/Polen 2023, 105 Min.; Regie: Jonathan Glazer
Mit: Christian Friedel, Sandra Hüller, Johann Karthaus u. a.
Rudolf Höß, Kommandant von Auschwitz, lebt mit seiner Frau Hedwig und den Kindern in einem Haus mit Garten unmittelbar neben dem Vernichtungslager. Während die Familie einen scheinbar idyllischen und privilegierten Alltag pflegt, bleiben die Verbrechen hinter der Mauer unsichtbar. Doch die Schrecken sind allgegenwärtig – in Geräuschen, beiläufigen Gesprächen und den Spuren des Geschehens, die bis in den Familienalltag reichen. Jonathan Glazers Film zeigt auf beklemmende Weise, dass sich das Leben der Täter nur scheinbar von den Verbrechen nebenan trennen lässt.
Gast: Dr. Andrea Genest (Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück)
Einführung und Moderation: Antje Bernhardt (bernhardt-bildung)
Tickets: 11,80 € über www.hoefekino.de/programm-tickets/
Mi, 13. Januar 2027, 19.00 Uhr
Filmvorführung & Gespräch
Der Staat gegen Fritz Bauer
Deutschland 2015, 105 Min.; Regie: Lars Kraume
Mit: Burghart Klaußner, Ronald Zehrfeld, Lilith Stangenberg u. a.
Deutschland 1957: Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer erhält Hinweise auf den Aufenthaltsort des ehemaligen SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmann in Buenos Aires. Bauer, selbst Jude und nach dem Krieg aus dem dänischen Exil zurückgekehrt, setzt alles daran, die Täter des NS-Regimes vor Gericht zu bringen. Gemeinsam mit dem jungen Staatsanwalt Karl Angermann geht er den Hinweisen nach, stößt jedoch auf Widerstände innerhalb der bundesdeutschen Justiz und Verwaltung. Lars Kraumes Film erzählt von Bauers Kampf um die strafrechtliche Verfolgung der NS-Verbrechen und vom schwierigen Umgang der jungen Bundesrepublik mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit.
Gäste: Dr. Claudia Fröhlich (Leiterin des Lern- und Erinnerungsortes Martin-Niemöller-Haus Berlin-Dahlem) und Adam Kerpel-Fronius (Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)
Einführung und Moderation: Antje Bernhardt (bernhardt-bildung)
Tickets: 11,80 € über www.hoefekino.de/programm-tickets/
Mi, 27. Januar 2027, 19.00 Uhr
Filmvorführung & Gespräch
Gerdas Schweigen
Deutschland 2007/2008, 92 Min.; Regie: Britta Wauer
Mit: Gerda Schrage, Knut Elstermann, Steven Schrage u. a.
1967 bekommt die in Ost-Berlin lebende Familie Elster-mann Besuch aus New York: Gerda, eine jüdische Überlebende des Nationalsozialismus und ehemalige Nachbarin der Familie, kehrt zurück. Der siebenjährige Knut Elstermann fragt sie nach ihrem Kind – doch Gerda schweigt. Jahrzehnte später begibt er sich auf die Suche nach Antworten und beginnt, die Geschichte hinter diesem Schweigen zu ergründen. Britta Wauers Dokumentarfilm zeichnet Gerdas Lebensweg nach und erzählt von Erinnerung, vom Weiterleben nach der Verfolgung und von einer Frage, die über Jahrzehnte unbeantwortet blieb.
Gäste: Britta Wauer (Regisseurin) und Michael Souvignier (Produzent)
Einführung und Moderation: Antje Bernhardt (bernhardt-bildung)
Tickets: 11,80 € über www.hoefekino.de/programm-tickets/

