Digitalisierte Gefangenenkarteikarten der Berliner Haftanstalten aus der NS-Zeit ab sofort im Lesesaal benutzbar

A Rep. 366, Untersuchungsgefängnis Moabit für Männer, Beispiel einer Karteikarte von 1939.

A Rep. 366, Untersuchungsgefängnis Moabit für Männer, Beispiel einer Karteikarte von 1939.

Das Landesarchiv verwahrt Karteien von Inhaftierten der Berliner Strafanstalten Plötzensee, Tegel, Charlottenburg, Barnimstraße und des Untersuchungsgefängnisses Moabit aus den Jahren 1934/35 bis 1945. Es handelt sich bei den Karteien in den meisten Fällen um den einzigen Nachweis von Haftzeiten in der Zeit des Dritten Reiches in diesen Orten.

Die Karteikarten enthalten Informationen über Gefangene, etwa biografische Angaben, Hinweise auf den Tatvorwurf bzw. das Delikt, die Haftdauer und Verlegungen in andere Anstalten oder Strafgefangenenlager und Aktenzeichen der für die Kontrolle der Haft zuständigen Strafvollstreckungsbehörden. Diese Unterlagen sind eine wichtige Quelle sowohl für die biografische Forschung, als auch für die Untersuchung bestimmter NS-Opfergruppen, da ihr Weg und ihr Verbleib innerhalb des Haftsystems des Nationalsozialismus geklärt werden kann.

Um die Originalkarteien zu schonen, bieten wir ab sofort Digitalisate in einem kennwortgeschützten Portal im Lesesaal an. Eine Volltextrecherche ist nicht möglich. Die Suche ähnelt dem Blättern in einem digitalen Karteikasten.
Gemäß § 9, Abs. 3 ArchGB unterliegen personenbezogene Unterlagen einer Schutzfrist. Bei Interesse an einer Einsichtnahme im Lesesaal senden Sie bitte vor Ihrem Archivbesuch einen Antrag auf Schutzfristverkürzung vollständig ausgefüllt an das Landesarchiv Berlin.

Für folgende Haftanstalten liegen Gefangenenkarteien vor, die kriegsbedingt sehr lückenhaft überliefert sind. Karteikarten für Inhaftierte des Zellengefängnisses Lehrter Straße, des Strafgefängnisses Spandau und des Polizeigefängnisses im Polizeipräsidium Berlin sind nicht erhalten:

Zellentrakt im Frauengefängnis; Barnimstraße 10 (Friedrichshain), F Rep. 290 Nr. 0351128

Zellentrakt im Frauengefängnis; Barnimstraße 10 (Friedrichshain), F Rep. 290 Nr. 0351128

Frauengefängnis Berlin, Barnimstraße,
Berlin-Friedrichshain (A Rep. 365)

Alphabetische Ordnung, Jahrgänge 1935 bis 1945. Vollstreckung von Gefängnis- und Haftstrafen an weiblichen Erwachsenen und Jugendlichen im Kammergerichtsbezirk Berlin.

Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit, Alt-Moabit, Berlin-Tiergarten (A Rep. 366)

Die Karteikarten der männlichen Gefangenen des Untersuchungsgefängnisses sind nach Jahrgängen und innerhalb dessen nach einer fortlaufenden Gefangenenbuchnummer sortiert. Die Recherche beginnt daher zunächst in den jahrgangsweise und alphabetische geführten Namensregistern, die ebenfalls digitalisiert vorliegen. Die Laufzeit reicht von 1936 – 1945. Für weibliche Untersuchungsgefangene sind die Karteikarten jahrgangsweise und innerhalb dessen alphabetisch sortiert. Sie umfassen die Jahre 1934 bis 1945.

Strafgefängnis Plötzensee, Königsdamm, Berlin-Charlottenburg (A Rep. 369)

Alphabetische Ordnung, Jahrgänge 1935 – 1945. Karteikarten von hingerichteten Insassen sind in einer gesonderten, alphabetisch sortierten, Serie vorhanden. Vollstreckung  von Gefängnis- und Zuchthausstrafen für erwachsene und jugendliche Männer aus dem Kammergerichtsbezirk Berlin.

Strafgefängnis Tegel, Seidelstraße, Berlin-Tegel (A Rep. 370)

Alphabetische Ordnung, Jahrgänge 1935 – 1945. Für ausländische Gefangene ist seinerzeit eine eigene Kartei angelegt worden, die ebenfalls alphabetisch sortiert vorliegt und die Jahre 1936 – 1945 umfasst. Vollstreckung von Gefängnisstrafe von mehr als neun Monaten im Kammergerichtsbezirk Berlin, mit Ausnahme des Landgerichtsbezirks Potsdam.

Gerichtsgefängnis Amtsgericht Charlottenburg, Kantstraße, Berlin-Charlottenburg
(A Rep. 371)

Ordnung nach Jahrgängen und innerhalb dessen alphabetisch, Jahrgänge 1934 bis 1940. Unterbringung von männlichen und weiblichen Untersuchungsgefangenen des Amtsgerichts Charlottenburg. Seit 1940 wurden in der Kantstraße nur noch weibliche Untersuchungsgefangene bei Überbelegung des regulären Untersuchungsgefängnisses inhaftiert.

Weiterführende Hinweise über Zuständigkeiten und Überlieferung der Justizbestände finden Sie in unserer elektronischen Beständeübersicht.