Kartenabteilung

„Berlin halb und halb“, 1959, von Robinson, d.i. Werner Kruse, © mit freundlicher Genehmigung Peter Kruse

„Berlin halb und halb“, 1959, von Robinson, d.i. Werner Kruse, © mit freundlicher Genehmigung Peter Kruse

Geschichte

Die Anfänge einer städtischen Kartensammlung reichen zurück bis in die Zeit der Städteordnung von 1809. Deren Forderung zur Führung von Stadtchroniken regte einen behutsameren Umgang mit den Quellen zur Geschichte an.
Mit dem Ankauf der Karten- und Ansichtensammlung von Anton Balthasar König im Jahre 1818 konnte der Grundstock für eine Kartensammlung des Archivs der Stadt gelegt werden. Erste Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten wurden von Johann Friedrich Zander durchgeführt, von 1824 bis ca. 1844 Archivar der Stadt. Unter der Leitung von Paul Clauswitz, von 1879 bis 1912 Stadtarchivar, begann die kontinuierliche Pflege der Kartensammlung. Eine weitere bedeutende Ergänzung erfuhr die Sammlung zwischen 1880 und 1890 durch die Karten aus dem Nachlaß von Friedrich Nicolai.
Ernst Kaeber, seit 1913 Stadtarchivar, setzte die Traditionen seines Vorgängers fort. Unter seiner Leitung erfolgten bedeutende Bestandsergänzungen aus der Städtischen Plankammer, dem Zentralvermessungsamt, der Plankammer des Magistrats von Köpenick sowie aus der Göritz-Lübeck-Stiftung der Stadt. Die Kartensammlung erhielt erstmals eine innere Ordnung und wurde verzeichnet.

Als einziger archivalischer Bestand des Berliner Stadtarchivs wurden die Karten und Pläne im Zweiten Weltkrieg nicht ausgelagert und überstanden die Bombenangriffe im Rathauskeller. Mit der Spaltung der Stadt und des Archivs 1948 gelangte ein geringer Teil der Sammlung in den britischen Sektor und bildete die Grundlage für den Aufbau einer neuen Kartensammlung des Landesarchivs Berlin (West). Sie konnte seit diesem Zeitpunkt mit den Plankammern der Preuß. Bau- und Finanzdirektion, einem Teilbestand der Plankammer der Generalbauinspektors für die Reichshauptstadt, Plankammern einiger Bezirksvermessungsämter, Abgaben der Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sowie mit antiquarischen Erwerbungen ergänzt werden.

Der überwiegende Teil der alten Kartensammlung verblieb im Stadtarchiv Berlin (Ost). Mit der Übernahme der Bestände der Städtischen Plankammer – Vermessungsamt der Stadt, der Plankammer der Borsig-Zentralverwaltung GmbH sowie mit weiteren institutionellen Karten- und Planüberlieferungen entwickelte sie sich ebenso zu einer bedeutenden Kartenabteilung.

Nach der Vereinigung der Archive aus beiden Teilen Berlins wurde 1993 auch mit der Zusammenführung der Kartensammlungen und -bestände begonnen und bis März 1994 abgeschlossen. Seit diesem Zeitraum erfuhr die Kartenabteilung wichtige Ergänzungen, z.B. durch die Übernahme des Archivs der Internationalen Bauaustellung 1987 (B Rep. 168) und der Plankammer der Reichsbahndirektion Berlin (A Rep. 080 (Karten). Die Kartenabteilung des Landesarchivs Berlin präsentiert damit heute den bedeutendsten Bestand zur Topographie sowie wertvolle Planüberlieferungen zur Architektur-, Stadtplanungs- und Technikgeschichte der Stadt.

Bestände

Die Kartenabteilung umfasst ca. 200.000 Karten und Pläne aus der Zeit von 1650 bis in die Gegenwart. Entsprechend ihrer archivtypischen Struktur setzt sie sich zusammen aus:

1. Allgemeine Kartensammlung (F Rep. 270)

In ihr sind weitgehend vollständig die Karten zur Topographie der Stadt überliefert. Sie wird regelmäßig aus Abgaben der zuständigen Landesbehörden, anderer Institutionen sowie aus Erwerbungen der Verlagskartographie ergänzt. Die Sammlung ist regional, thematisch und chronologisch geordnet und umfasst den Zeitraum vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

In ihr sind frühe Handzeichnungen, Drucke und Kopien namhafter Autoren wie Memhardt, Kauxdorff, La Vigne, Broebes, Dusableau, Schleuen, Schmettau u.a. ebenso überliefert, wie Verlagskartographie von Homann, Nicolai, Schropp, Straube, Schwarz, Pharus u.a. Ebenso bedeutsam sind die annähernd vollständig überlieferten amtlichen Kartenwerke seit der Neuvermessung der Stadt 1876 bis zu den digitalen Ausgaben der Gegenwart in verschiedenen Maßstäben. Das amtliche Kartenwerk „Stadtplan von Berlin/Karte von Berlin“ im Maßstab 1:4.000 und 1:5.000 sowie der „Übersichtsplan von Berlin“ von J. Straube 1:4.000, verknüpft mit der aktuellen amtlichen Karte 1:5.000, bieten nunmehr die Möglichkeit einer grundstücksgenauen Recherche zwischen 1910 und 2012 über das Webangebot HistoMapBerlin unter www.histomapberlin.de.

Neben der historisch gewachsenen Kartensammlung konnte 2008 die bedeutendste private Sammlung von Berliner Stadtplänen als Depositum übernommen werden (F Rep. 270-01 Sammlung Günther Schulz)

Plankammern

Als Teile von Registraturen einer Behörde, Institution oder Firma spiegeln sich deren spezifische Interessen und Bedürfnisse in einer Plankammer wider. Historisch bedeutsame und wertvolle Planbestände bzw. -teilbestände sind überliefert von der

  • Preußischen Bau- und Finanzdirektion (A Pr.Br.Rep. 042 (Karten), mit den Bauzeichnungen der wichtigsten preußischen Verwaltungs- und Präsentationsbauten Berlins von Schinkel, Knobelsdorff, Lenné u.a. Baumeistern und Autoren vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zum Anfang der 1940er Jahre,
  • Städtischen Plankammer/Vermessungsamt der Stadt (A Rep. 010-01-04 (Karten), vor allem mit der hochqualifizierten Neuvermessung Berlins seit 1876 mit den Fortschreibungen bis in die 1940er Jahre (derzeit partiell noch als Leihgabe in den Vermessungsämtern der Bezirke und dort zugänglich),
  • Generalbauinspektion für die Reichshauptstadt (A Pr.Br.Rep. 107 (Karten), mit den nationalsozialistischen Neugestaltungsplanungen, einschließlich der Entwürfe für die Monumentalbauten der Reichshauptstadt aus dem Zeitraum 1937 bis ca. 1943,
  • Borsig-Zentralverwaltung GmbH. (A Rep. 226 (Karten), zur Grundstücksentwicklung der Firma von den Entwürfen Borsigs für das Stammhaus Chausseestraße bis zu Bauplänen der russischen Niederlassung in Kramatorskaja,
  • Reichsbahndirektion Berlin (A Rep. 080 (Karten), zur Planungs- und Baugeschichte der herausragenden Verkehrs- und Ingenieurbauten Berlins aus dem 19. und 20. Jahrhundert,
  • Internationalen Bauausstellung in Berlin (West) 1987 (B Rep. 168 (Karten), mit den vielseitigen Neubauentwürfen und -ausführungen international renommierter Architekten und Stadtplaner für die ausgewählten Wettbewerbsgebiete,
  • Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen, zu wichtigen öffentlichen Bauvorhaben und Verkehrsplanungen in Berlin (West) zwischen ca. 1950 und 1995, die zeitlich wie inhaltlich mit dem Nachlass des Senatsarchitekten Rainer G. Rümmler (E Rep. 300-70) korrespondieren sowie
  • von diversen für Stadt- und Verkehrsplanung sowie Neubauvorhaben zuständigen Magistratsverwaltungen in Berlin (Ost) zwischen ca. 1950 und 1989, die zeitlich und inhaltlich mit den Plankammerbestand des VE BMK Ingenieurhochbau Berlin (C Rep. 781 – Karten; Vorgänger VEB Berlin-Projekt) korrespondiert und
  • von einer Vielzahl kleinerer institutioneller Bestände.

Sie sind überwiegend nach dem Registraturschema sachlich und chronologisch geordnet.

Nachlässe

Von namhaften und weniger bekannten Architekten, Ingenieuren und anderen Persönlichkeiten konnten Nachlässe übernommen werden, die neben autobiografischen Quellen (Briefe, Tagebücher, Zeugnisse, Fotos etc.) auch zum Teil mit wertvollen Planüberlieferungen verbunden sind.

Urschriften

Aus den diversen Senats- und Bezirksämtern wurden und werden regelmäßig sogenannte Urschriften mit Gesetzescharakter übernommen, die von den Bürgern zur Wahrnehmung ihres Informations- und Einspruchsrechts im Landesarchiv Berlin eingesehen werden können. Darunter befinden sich auch Karten mit Urkundencharakter, z.B. zu Sanierungs-, Natur- und Landschaftsschutzgebieten, Flächennutzungsplanungen. Sie sind unmittelbar nach der Behördenabgabe unter der Signatur F Rep. 238-04 (Karten) zugänglich.

Literatur & Links

  • Günther Schulz, Die ältesten Stadtpläne Berlins 1652 bis 1757, Weinheim 1986.
  • Günther Schulz, Stadtpläne von Berlin 1652 bis 1920, Berlin 1998 (=Schriftenreihe des Landesarchivs Berlin, Bd. 3).
  • Günther Schulz/Andreas Matschenz, Stadtpläne von Berlin 1652 bis 1920 – Tafelband, Berlin 2002 (=Schriftenreihe des Landesarchivs Berlin,
    Bd. 4).
  • Andreas Matschenz (Bearb.), Stadtpläne von Berlin – Geschichte vermessen, Berlin 2006 (=Schriftenreihe des Landesarchivs Berlin, Bd. 10).
  • Wolfgang Scharfe/Holger Scheerschmidt (Hrsg.), Berlin-Brandenburg im Kartenbild, Berlin 2000 (=Staatsbibliothek zu Berlin PK, Ausstellungskataloge Neue Folge 42).
  • Dass. unter: www.geog.fu-berlin.de/2bik/
  • Andreas Matschenz, Aus dem Archeion ins Archiv: Einige Wegbeschreibungen. Quellen zur Berliner Baugeschichte im Landesarchiv Berlin, in: Die Hand des Architekten. Zeichnungen aus Berliner Architektursammlungen, Köln/Berlin 2002, S. 60ff. (=Schriftenreihe der Bauakademie Berlin, Bd. 1).
  • Zur Entstehung moderner Berliner Stadtpläne:
    geoarchiv.ernst-litfass-schule.de
  • Historische Kartenbestände online (Auswahl):

     

    Andreas Matschenz
    Anschrift
    Eichborndamm 115-121
    13403 Berlin
    Tel.
    030/90264-216
    Fax
    030/90264-201
    E-Mail
    matschenz@landesarchiv.berlin.de