Schülerprojekte



Enrichmentangebot für die 5. Klassen des Werner-von-Siemens-Gymnasiums im Landesarchiv Berlin

„ Was Quellen erzählen können…“

Im Rahmen einer Archivführung recherchieren die Kinder in Tageszeitungen.

Im Rahmen einer Archivführung recherchieren die Kinder in den Tageszeitungen.

Themenheftbeispiel "Was Quellen erzählen können..."

Themenheftbeispiel „Was Quellen erzählen können…“

Um begabte und hochbegabte Schülerinnen und Schüler gezielt fördern zu können, bietet das Werner-von-Siemens-Gymnasium Vertiefungskurse für diese Kinder und Jugendlichen an. Dieses Angebot bietet das Gymnasium neben dem regulären Unterricht an. In den 5. Klassen finden die Vertiefungskurse an einem Vormittag als Projektunterricht statt.

Im Rahmen dieser Vertiefungskurse besuchen die Schülerinnen und Schüler das Landesarchiv Berlin und werden zu Interviewern. Sie erarbeiten innerhalb einer dreistündigen Projektarbeit die Grundlage für ein Themenheft „Was Quellen erzählen können…“

In Tandems führen sie ein fiktives Interview mit einer Urkunde, einer Akte, einem Tagebuch, einem Plakat oder einer historischen Karte durch. Sie stellen Fragen an die Quelle und müssen diese aus der Sicht der Quelle beantworten.

Dabei stellen die Arbeitsgruppen einerseits die klassischen W-Fragen: WAS beschreibst Du? WANN bist Du entstanden? WER hat Dich geschrieben? FÜR WEN bist Du geschrieben worden? WARUM / WOZU gibt es Dich? Andererseits untersuchen sie die Materialien auf Größe oder Gewicht und finden auch kreative Antworten auf die Frage, ob es Spaß macht eine Urkunde zu sein.

Jede Gruppe gestaltet eine Seite für das Themenheft „Was Quellen erzählen können …“, die das Quelleninterview und eine Skizze oder ein Foto umfasst. Die Ergebnisse werden in der Schule präsentiert. Beim nächsten Enrichment-Projektunterricht erfolgt dann darauf aufbauend ein Vergleich von Primärquellen und Sekundärquellen.

Im Rahmen einer Archivführung recherchieren die Kinder in den Tageszeitungen nach Ereignissen, die an ihrem Geburtstag passierten.

Der Projekttag bietet die Möglichkeit jüngere Schülerinnen und Schüler an die Arbeit mit Originalquellen heranzuführen. Er ist in das Methodentraining des Enrichmentsangebots eingebunden. Dieses Training bietet den Kindern fächerübergreifend die Möglichkeit, Lernstrategien, Arbeits- sowie Organisationstechniken einzuüben, die den Start am Gymnasium erleichtern und ein Fundament für die kontinuierliche Förderung ihrer personalen und methodischen Kompetenzen bilden.



Zeitungsreportagen

Einblicke in die Ergebnisse einer historischen Projektarbeit

Schülerinnen und Schüler eines Geschichtsleistungskurses der Katholischen Schule Salvator haben im Landesarchiv drei Fallakten ausgewertet und präsentieren ihre Ergebnisse in Form von Zeitungsreportagen.

  • Anna Meitzner hat sich mit der Entführung von Walter Linse beschäftigt und für ihre Reportage die Akten des Prozesses gegen Kurt-Oswald Knobloch ausgewertet.
    Download Reportage „Staatsterror in fremden Gefilden“
  • Marco Richter hat seine Reportage auf der Grundlage der Entnazifizierungsakte von Adolf Hitler verfasst.
    Download Reportage „Der zweite Tod Adolf Hitlers“
  • Lennart Lemgau untersuchte eine Flucht mit Todesfall aus Ost-Berlin und stellte sich für seine Reportage die Frage, ob der Geflüchtete aus Notwehr handelte.
    Download Reportage „Der Fall Egon B. – Mord oder Notwehr?“


Kooperation

Kooperation des Landesarchivs mit dem Europäischen Gymnasium
Bertha-von Suttner

Bildunterschrift: Frau Dr. Heike Schroll und Frau Etta Ites-Pätzold unterzeichnen die Kooperationsvereinbarung. Im Hintergrund Schülerinnen und Schüler des Europäischen Gymnasiums Bertha-von-Suttner.

Dr. Heike Schroll und Etta Ites-Pätzold unterzeichnen die Kooperationsvereinbarung. Im Hintergrund Schülerinnen und Schüler des Europäischen Gymnasiums Bertha-von-Suttner.

Zum Schuljahresbeginn 2016/17 beginnt die Kooperation zwischen dem Landesarchiv Berlin und dem Europäischen Gymnasium Bertha-von Suttner. Die Stellvertretende Direktorin des Landesarchivs Berlin, Dr. Heike Schroll, und die Direktorin des Europäischen Gymnasiums Bertha-von-Suttner, Etta Ites-Pätzold unterzeichneten die Kooperationsvereinbarung.

Nach vielseitigen und erfolgreichen gemeinsamen Projekten beschließen die beiden Einrichtungen nun eine verbindliche Zusammenarbeit zwischen dem Fachbereich Geschichte und dem archivpädagogischen Arbeitsbereich. Für den Fachbereich stellt das Archiv einen optimalen Partner für die Gestaltung eines zeitgemäßen, regionalgeschichtlichen Geschichtsunterrichts dar.

Elemente der Partnerschaft

Im Vordergrund stehen zunächst die Präsentationsprüfungen im Rahmen des Mittleren Schulabschlusses und des Abiturs. Das Landesarchiv Berlin unterstützt die Schülerinnen und Schüler bei der Themensuche, der Recherche und der Quellenauswertung für die Erarbeitung der Prüfungskomponenten. Des Weiteren unterstützt das Landesarchiv die Teilnehmenden beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Für die Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe werden künftig verstärkt Methodentrainings angeboten sowie unterrichtsbezogene Projekte entwickelt, die im Rahmen von Exkursionen und Projektwochen stattfinden.

Im Rahmen der Zusammenarbeit recherchieren die Schülerinnen und Schüler, planen Arbeitsabläufe, präsentieren Ergebnisse und bewerten diese anschließend. Sie lernen einen Ort kennen, der ihnen Erkenntnisse und Fähigkeiten vermittelt, die sie auch in ihrer weiteren Ausbildung, im Studium und im Berufsleben nutzen können.

Das Landesarchiv Berlin wird das Europäische Gymnasium Bertha-von-Suttner bei der Erfüllung seines Bildungsauftrags unterstützen. Die hierzu möglichen Maßnahmen und Angebote werden gemeinsam an aktuelle Gegebenheiten in Schule und Archiv angepasst und weiterentwickelt.



Ein deutsch-slowenisches Geschichtsprojekt zum Thema Zwangsarbeit.

Max-Beckmann-Oberschule trifft Skofisjska Gimnazija Vipava

Arbeitsphase in der Schule in Vipava, Schüler und Schülerinnen sitzen an Schreibtischen

Arbeitsphase in der Schule in Vipava

Das binationale Geschichtsprojekt startete im Spätsommer 2014 und wurde durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ gefördert. Acht Schülerinnen und Schüler der Max-Beckmann-Oberschule und 13 Schülerinnen und Schüler der slowenischen Partnerschule setzten sich mit dem Rahmenthema „Zwangsarbeit im Nationalsozialismus als Form der Diskriminierung“ auseinander. Ziel des Projektes ist es, die rechtliche und ideologische Begründung der Zwangsarbeit zu erkennen, ihre Formen zu analysieren und Forschungsergebnisse anhand von Einzelschicksalen, eingebettet in den historischen Kontext, in einer Ausstellung zu präsentieren. Nach der jeweils vor Ort durchgeführten Einarbeitung in das Thema besuchten die Schülerinnen und Schüler aus Vipava im Herbst 2014 Berlin. Während dieser Woche erarbeitete die Gruppe gemeinsam eine Ausstellungsstruktur, die folgende Schwerpunkte setzt:

  • Information zu Zwangsarbeit im Nationalsozialismus (Anzahl der eingesetzten Zwangsarbeiter, Herkunftsländer, Lebensbedingungen und Einsatzorte)
  • Diskriminierung der Zwangsarbeiter
  • Biographien

Im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Oberschöneweide lernten die jungen Forscher am historischen Ort mehr über die Lebensbedingungen und Ausbeutung der Menschen im Zwangsarbeiterlager. Anschließend befassten sie sich im Landesarchiv Berlin mit Akten, aus denen sie konkrete Fälle rekonstruierten, analysierten und quellenkritisch erforschten.

Führung durch die Synagoge in Gorizia

Führung durch die Synagoge in Gorizia

Bis zum Gegenbesuch im März 2015 arbeiteten beide Schülergruppen regelmäßig an ihren Themenbereichen. Die slowenische Schule legte den Schwerpunkt dabei auf Zeitzeugeninterviews. Die Reinickendorfer Schüler werteten die Berliner Archivquellen aus und setzten diese mit Hilfe von Literatur in den historischen Kontext. Einmal wöchentlich arbeiteten die Jugendlichen nach dem Unterricht in ihrer Freizeit im Landesarchiv. So erforschten die deutschen Schüler exemplarisch, anhand des Schicksals von Klawdija Malewannaja, die Willkür und Gewalt, denen Zwangsarbeiterinnen in Privathaushalten als Dienstmädchen ausgesetzt waren. Als Beispiel für den Umgang mit Zwangsarbeitern in der deutschen Industrie werteten die Jugendlichen die Überlieferung zur Situation von Zwangsarbeitern in der Weser-Flugzeugbau GmbH aus. Weiterhin haben die Jugendlichen sich intensiv mit der Problematik der Diskriminierung auseinandergesetzt. Unter diesem Aspekt untersuchten sie zahlreiche Quellen und arbeiteten unterschiedliche Formen der Diskriminierung heraus.

Während der einwöchigen Exkursion nach Slowenien arbeiteten beiden Gruppen an ihren Themenbereichen. Zunächst präsentierten die Jugendlichen gegenseitig ihren Forschungsstand. Die Ergebnisse wurden in intensiven Arbeitsphasen aufeinander abgestimmt, gekürzt und für die Schülerzeitung der slowenischen Schule aufbereitet. Auch in Slowenien erweiterten die Forscher ihr bisher erworbenes Wissen durch Exkursionen. Im dortigen Kreisarchiv in Nova Gorica werteten sie Lagerbriefe und Zeitungsartikel aus. Im Museum für Zeitgeschichte Ljubljana wurden sie durch die Dauerausstellung geführt und erhielten einen Überblick der Geschichte Sloweniens zwischen 1918 und 1945. Das emotionale und vermutlich nachhaltigste Erlebnis für die Jugendlichen war ein Treffen mit vier Überlebenden, die über ihre Zeit als Zwangsarbeiter und über die Deportation von Kindern durch Deutsche berichteten.


Schülerworkshops zu jüdischen Unternehmen in Berlin

Schülerworkshop

Schülerworkshop 1

Schülerworkshop 2

Schülerworkshop 2

Schülerworshop 3

Schülerworshop 3

Vorgeschichte

Im Nachgang zur Ausstellung „Verraten und Verkauft. Jüdische Unternehmen in Berlin 1933-1945“ im Rahmen einer Schülerdemonstration wurde vom Ausstellungsteam der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Aktiven Museum, dem Landesarchiv Berlin und mit der Landesschülervertretung die Idee entwickelt, mit Schulklassen Archivworkshops zu organisieren.

Ziel der Workshops, die vom Innovationsfonds der Humboldt-Universität unterstützt werden, ist es, dass die Schüler entdecken, wie viele jüdische Unternehmen auch in ihrem Lebensumfeld existiert haben, wie diese nach 1933 systematisch liquidiert worden sind und was in der Folge mit den jüdischen Eigentümern geschehen ist. Dabei wird die Erkenntnis aufgegriffen, dass geographische Nähe immer auch einen stärkeren emotionalen Bezug schafft. Gleichzeitig sollte den Schülern die Möglichkeit geboten werden die Arbeitsweise eines akademischen Forschungsprojekts kennen zu lernen.

Grundlage für die Archivworkshops bietet das Forschungsvorhaben zur Geschichte kleiner und mittlerer jüdischer Gewerbeunternehmen in Berlin (1930/31-1945), in dessen Rahmen die Grunddaten von insgesamt rund 8.000 jüdischen Unternehmen in Berlin rekonstruiert und in einer Datenbank gespeichert worden sind.

Diese Datenbank erlaubt es:

  • gezielt jene jüdischen Unternehmen zusammenzufassen, die 1933 in der Nähe der jeweiligen Schule existiert haben,
  • weist nach, was mit diesen Unternehmen dann geschehen ist,
  • und gibt erste Hinweise, wo Akten und Unterlagen zu finden sind.

Das Gros der relevanten Akten ist im Landesarchiv Berlin überliefert.

Ablauf

Die Workshops wurden bislang mit verschiedenen Berliner Oberschulen durchgeführt. Dazu wurde ein Programmablauf entwickelt, der nun einem größeren Kreis von Schulen angeboten werden kann:

Den Einstieg in den dreitägigen Workshop übernimmt am ersten Tag ein Mitglied des Ausstellungsteams „Verraten und Verkauft“. Die Schüler erhalten eine anschauliche Einführung in den historischen Kontext (Zerstörung der jüdischen Gewerbetätigkeit, wichtige Daten und Gesetze).

Im Anschluss recherchieren sie gemeinsam die in Schulnähe ansässigen Unternehmen in der Datenbank. Am Nachmittag suchen die Schüler die Orte an denen sich jüdische Unternehmen befunden haben, selbsttätig auf, dokumentieren den jetzigen Zustand des Ortes und befragen Mieter, Hausbesitzer und Nachbarn, als mögliche Zeugen.
Am zweiten Tag beginnen die Schüler im Landesarchiv mit der Auswertungsphase.

Der Zugang zu dem Archivmaterial wird über eine einstündige Archivführung vermittelt. Auf diesem Weg lernen die Schüler:

  • Recherchestrategien,
  • Aufgaben und Zuständigkeiten eines Archivs,
  • Benutzungsmodalitäten,
  • Bestandserhaltungsmaßnahmen,
  • und Arbeitsabläufe

innerhalb des Archivs kennen.
Mit diesem Einstieg wird der Grundstein für die Quellenarbeit gelegt.

Die Schüler werten die Handelsregisterakten oder Wiedergutmachungsakten aus und unterfüttern die allgemeinen Informationen des ersten Tages mit dem konkreten Schicksal eines Unternehmens und seiner Gesellschafter.
Am dritten Tag fassen die Schüler ihre Ergebnisse zusammen und präsentieren sie der schulischen Öffentlichkeit.

Ein Praxisbeispiel – die Arbeitsgemeinschaft der Anna-Siemsen-Schule, Berlin-Neukölln

Neun Schüler der 8. bis 10. Jahrgangsstufen haben das Excelsior-Lichtspielhaus in der Neuköllner Herrmannstrafle in den Mittelpunkt ihrer Forschungsarbeit gestellt. Die Entscheidung dazu fällten die Schüler, als bei einer Besichtigung der Örtlichkeiten Kontakt zu dem Hausmeister geknüpft werden konnte. Mit ihm besichtigte die Gruppe die zu Abstellräumen entfremdeten früheren Kinosäle. Dabei haben sie Hinweise auf Zeitungsannoncen bekommen, eine Fotodokumentation begonnen und auflerdem noch die Möglichkeit erhalten ein Interview zu führen.
Im Landesarchiv befassten sie sich hauptsächlich mit den Handelsregisterakten und dem historischen Adressbuch der Stadt Berlin. Anhand der beiden Quellen konnten sie eine Chronologie der Besitzverhältnisse und der Enteignungsvorgänge herausarbeiten. Des Weiteren konnten sie in der Karten- und Fotosammlung historische Dokumente ermitteln.

Die im Rahmen des Workshops zusammengetragenen Ergebnisse bildeten die Grundlage für einen Besuch im Bauaktenarchiv des Bezirksamts von Neukölln.

Die Schüler haben bewiesen, dass sie die vermittelten Grundzüge wissenschaftlicher Arbeit erfolgreich umsetzen konnten. Als Endergebnis des dreitägigen Workshops präsentierten sie ihre Ergebnisse auf zwei selbstgestalteten Infotafeln im Mittelstufenflur ihrer Schule.

Christoph Kreutzmüller, Christine Kühnl-Sager, Anne Rothschenk