Preise beim Geschichtswettbewerb
des Bundespräsidenten 2014/15

Was oder wer ist eigentlich ‚normal’, und was oder wer ist ‚anders’? Dieser Frage gingen 142 Berliner Schülerinnen und Schüler beim diesjährigen Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten nach. Sie beleuchteten aus historischer Perspektive die jeweiligen gesellschaftlichen Vorstellungen von ‚Normalität‘ und ‚Anders sein’.
Das Thema des Geschichtswettbewerb lautete ‚Anders sein. Außenseiter in der Geschichte‘ und richtete den Forscherblick damit sowohl auf Gruppen, die durch die Gesellschaft an den Rand gedrängt wurden, als auch auf Menschen, die durch ihr Handeln bewusst eine Abgrenzung von der Normalität vollzogen.

Während ihrer sechsmonatigen Forschungszeit reflektierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Mechanismen der Ausgrenzung und erkannten die Zeitgebundenheit von Wertmaßstäben. Am 16. September wurden die zehn besten der insgesamt 25 Berliner Beiträge auf der Preisverleihung im Deutschen Historischen Museum durch den Staatssekretär für Bildung Mark Rackles und die Körber-Stiftung ausgezeichnet.

Die hier vorgestellten Preisträger begannen ihre Spurensuche im Landesarchiv Berlin.
Wir gratulieren unseren Preisträgerinnen und Preisträgern sehr herzlich!

Landespreise

Teilnehmer des Europäischen Gymnasiums Bertha-von-Suttner in Reinickendorf

Teilnehmer des Europäischen Gymnasiums Bertha-von-Suttner in Reinickendorf, Foto: Körber-Stiftung/David Ausserhofer

Schülerinnen der Evangelischen Schule Frohnau

Schülerinnen der Evangelischen Schule Frohnau, Foto: Körber-Stiftung/David Ausserhofer

Das Siegerteam Jason Witte und Shereef Alexander Salzmann erforschte unter dem Titel „Bleiben Sie in diesem Toleranzbereich“ die Rolle der evangelischen Kirche in der DDR im Spannungsfeld zwischen Selbstverständnis und Instrumentalisierung durch die Staatsführung. Die beiden Elftklässler des Europäischen Gymnasiums Bertha von Suttner wählten für Ihre Arbeit exemplarisch den Kirchenkreis Friedrichshain aus und zeigten auf, dass sich das Verhältnis von Kirche und Staat in einem Zustand zwischen Duldung und Ablehnung der Kirche durch den Staat bewegte und die Gemeinden schrittweise an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden. Jason und Shereef werteten das umfangreiche Material der Magistratsverwaltung für Kirchenfragen sowie die Überlieferung des Rats des Stadtbezirks aus und analysierten das Verhältnis von Auferstehungsgemeinde und politischer Führung.

Gleich zwei Landespreise errang die Evangelische Schule Frohnau und wurde damit landesbeste Schule. Im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft setzten sich die Schülerinnen und Schüler der neunten und elften Jahrgangsstufe mit der Lokalgeschichte auseinander. Stefan Endeward, der die elfte Klasse besucht, widmete sich der Frage „Muss man als Politiker ‚anders sein’ um etwas verändern zu können?“ und fand Antworten auf seine Forschungsfrage in der Auseinandersetzung mit dem SPD-Politiker Harry Ristock. Neben Experteninterviews wertete er den Nachlass des Politikers aus und kam zu dem Schluss, dass Harry Ristock, der zeitlebens im linken Flügel der Partei beheimatet blieb, von seinen Parteikollegen als ‚anders’ dargestellt und zum parteiinternen ‚Außenseiter’ gemacht worden war.

Im Tandem fanden Agnes Pollok und Franziska Rentel spannende ‚Außenseiter’ der Berliner Nachkriegszeit. Sie untersuchten die Berliner Ehrungsinitiative ‚Unbesungene Helden’, die 1958 durch den damaligen Innensenator Joachim Lipschitz ins Leben gerufen worden war. Anhand von Fallbeispielen zeichneten die Neuntklässlerinnen auf, wie Menschen, die Juden während der NS-Zeit unterstützt und gerettet haben, gleich zweifach zu ‚Außenseitern’ gemacht wurden. Sie wurden in der nach 1945 nicht geehrt, weil sie als Homosexuelle und Juden weiter stigmatisiert blieben. Ihren Beitrag reichten sie unter dem Titel „Unbesungene Helden. Vom ausgegrenzten Retter im Nationalsozialismus zum geehrten Mitglied der Nachkriegsgesellschaft?“ ein.

Förderpreise

Die Gruppe der John-F.-Kennedy-Schule im Schlüterhof

Die Gruppe der John-F.-Kennedy-Schule im Schlüterhof, Foto: Körber-Stiftung/David Ausserhofer

Mit ihrem Beitrag „ Die Berliner Justiz zur Zeit der Weimarer Republik im Umgang mit politischen Außenseitern“ wurden die beiden Zehntklässler, Julius Rußmann und Hergen Endres Marks, von der Herder-Oberschule mit einem Förderpreis ausgezeichnet. Die Schüler zeichneten anhand der überlieferten Prozessunterlagen zu Straßenschlachten ein Stück Alltag der Weimarer Republik auf und schilderten eindrücklich die politischen Konflikte Anfang der 1930er Jahre.

Der Reichstagsbrandprozess beschäftigte eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der John-F.-Kennedy-Schule. Die Elftklässler fragten sich: „Marinus van der Lubbe – ein dreifacher Außenseiter?“ Für ihre Wettbewerbsarbeit untersuchten sie die umfangreichen Prozessakten, die vom Reichstagsbrand bis in die 1980er Jahre reichen, und werteten zahlreiche Zeitungsartikel aus.

Wir unterstützen im Bereich „Schule trifft Archiv“ regelmäßig Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse bei ihrer historischen Projektarbeit, bei Prüfungskomponenten und im Rahmen des Geschichtsunterrichts.